Kommentar: Berliner Radsportsterben

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Nachruf: Berlin-Bad-Freienwalde-Berlin

Veranstalter, vor Allem in Städten oder großen Städten wie Berlin, wird eine Vielzahl von Auflagen auferlegt.

 

(js) Die 55. Ausgabe des Frühjahrsklassikers Berlin-Bad Freienwalde-Berlin in diesem Jahr entfällt, aufgrund fehlender Genehmigung.
„Fehlende Genehmigung“, mehr ist dem gewöhnlichen Radsportfreund nicht bekannt, die Ursachen für den Umstand, dass (nicht nur in Berlin) immer mehr Radrennen ersatzlos gestrichen werden oder komplett aus dem Rennprogramm verschwinden, sind vielfältig.

 

Medien-Kiste: Radsport führt Schattendasein

Neben der Medien-Kiste, dass der Radsport immer mehr unter seinem größtenteils eigenverschuldetem Aufmerksamkeitsverlusts leidet, und teilweise, so scheint es, ein Schattendasein führt, wird es für die Veranstalter immer schwerer.

 

Nicht nur, dass man nur schwer an Geld und noch seltener an Großsponsoren kommt, auch die Auflagen, die den Veranstaltern auferlegt werden, sind umfangreich. Selbst ein kleineres Radrennen auszurichten bedeutet unter Anderem Behördengänge in Kauf zu nehmen, Streckensicherung zu organisieren, Verkehrslenkung planen, Polizeigenehmigungen einholen und natürlich Klinkenputzern bei all denjenigen, die einem ein Strich durch die Rechnung machen könnten, …
 Und dann ist immer noch nicht klar, ob die Veranstaltung stattfindet.

Ohne Engagement keine Freiwilligen!

Aber, wer soll das machen? Vereine, außerhalb des ungetrübten Wässerchens Fußball, den kein noch so großer Skandal in die Knie zwingt, ringen um Mitglieder. Und die wenigen, die sich zur Mitgliedschaft bereiterklären sollen sich für die Belange des Vereins interessieren und müssen zur aktiven Mitgestaltung und freiwilligen, da ehrenamtlichen, Arbeit bewegt werden?

Und wer soll es dann machen? Wer weiß schon Bescheid über aktuelle Verkehrslenkungsregelungen, rechtliche Auflagen der Streckensicherung und die gültigen Lärmschutz- und Umweltauflagen, sollte der Veranstalter doch tatsächlich auf die Idee kommen einen Lautsprecher aufzustellen.
 Die Frage, ob ein Rennen stattfinden kann ist dann immer noch nicht geklärt!

Letztendlich hängt meist, diese Vielzahl von Aufgaben, an einzelnen Personen, dessen Arbeit sich aufgrund der geringen Mithilfe und Engagements von Vereinsinterner- und externer Seite potenziert.

So ist es nicht verwunderlich, dass Verantwortliche ihre Arbeit niederlegen, und sagen: dann halt nicht! So geschehen beim zwar allzeit gut besuchten und beliebten aber wenig unterstützen MOL-Cup unter der Leitung „O-punkt-N-Punkts“, welcher kurz nach Weihnachten seine Arbeit für beendet und das Projekt als gescheitert erklärte.   Glücklicherweise folgten noch „mal positive Nachrichten vom Cup!“.

Jedermänner, ein Zeichen der Gegenwart

Auch das ist ein Zeichen der Gegenwart, der Amateursport/Breitensport für Nichtlizenzfahrer kann sich über Wasser halten. Horrende Startgebühren und Austragungen in peripheren Gebieten sei Dank. Der gewöhnliche Radsympathisant fürchtet sich offensichtlich vor dem Eintritt in den Verein und organisiert sich, außerhalb der Vereinsstruktur, lieber gern allein. Startgelder hin oder her.

Möchte ein Verein ein Radrennen ausrichten kommt er mittlerweile ohne das Klientel der Breitensportler nicht aus. Gerade deshalb drängen ja viele Ausrichter eines Rennens darauf, wenigstens ein großes Starterfeld mit Jedermännern zu füllen, und darum ist „der run“ auf die ‚Cups‘, MOL-Cup, Lausitzcup und wie sie nicht alle heißen, so groß.

Ausrichter eines Radrennens, die es wirklich geschafft haben, mutig wie sie sind, eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen, sind gezwungen ihr Event möglichst voll zu stopfen. Eng getaktete Rennen, möglichst in allen Altersklassen und hintereinander weg.

Die Rennen in Deutschland werden weniger, die Wege für die aktiven immer länger. Lange Anreisen, vielerorts mit Übernachtungen, da Landesverbände zwei Renntage hintereinander stecken, treiben die Kosten in die Höhe, für den einfachen Sportler, der Spaß am Rennbetrieb hat, wird das „Hobby“ nicht nur zum Zeit- sondern vor allem Kostenintensiven Vergnügen.

Ohne Moos nichts los!

Und was machen?
Gute Frage. Möglichst viele Radsympathisanten bei der Stange halten, um aktive Mitgliedschaft sowie Hilfe von außen werben, fleißig Klinkenputzen, als Fahrer rechtzeitig melden und das Startgeld bereitwillig entrichten. Und wenn es mal nicht geht, möglichst laut aufschreien „was Köln–Schuld–Frechen fällt aus?“, um beim nächsten Mal (hoffentlich) auf mehr Engagement zu zählen.
Zu guter Letzt sei noch das „Totschlagargument“ zu nennen, was leider beim Sport mit diesen Rädern und ganz ohne Ball häufig oft Anwendung findet, jedoch diesmal nicht zu Unrecht: dadurch das der Radsport im schlechten Licht steht und um jegliche Aufmerksamkeit außerhalb des D-Worts ringen müsste wird es nicht leichter die nötigen finanziellen Mittel für die Austragung von Veranstaltungen zu gewinnen. Hier gilt nämlich nicht, schlechte Presse ist besser als keine, irgendwer muss es schließlich auch bezahlen.


Ohne Werbung, potentielle Geldgeber und den Freund auf zwei Rädern, der bereit ist für seine „ach so große Leidenschaft“ auch etwas zu tun, wird es nicht gehen.

 


... weitersagen!